Künstliche Intelligenz - BTU erforscht Stress erkennende Computer

Mi 14.12.22 | 17:08 Uhr | Von Iris Wußmann
Eine Gruppe Studierender guckt sich eine Haube an, mit der Gehirnströme gemessen werden können.
Audio: Antenne Brandenburg | 14.12.22 | Aline Lepsch | Bild: rbb/Aline Lepsch

Ob ein Mensch übermüdet oder gestresst ist, sollen bald Computer erkennen können. Daran forscht die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg. Interessierte Freiwillige haben sich einem ersten Experiment angeschlossen.

Um die Gehirnströme messen zu können, bekommt die Probandin eine Elektroenzephalografie-, kurz: EEG-Kopfhaube aufgesetzt. Mithilfe einer Spritze wird Gel in die daran befestigten Elektroden eingeführt. Den Forschern geht es darum, dass ein Computer anhand der Gehirnströme erkennt, wie sehr ein Mensch belastet ist. Dafür muss der Rechner mit Daten gefüttert werden.

Diese bekommt er beim Live-Experiment an der BTU - an dem sich 20 Mitarbeiter und Studierende beteiligen - von der Freiwilligen Tatiana Kholiavko. Sie löst abwechselnd Matheaufgaben und entspannt sich. Im Ergebnis zeigt der Computer mal mehr, mal weniger heftige Ausschläge. Maria Faragau vom Fachgebiet Neuroadaptive Mensch-Technik-Interaktion erklärt: "EEG kann keine Gedanken lesen. Aber dafür kann es verschiedene mentale Zustände erkennen." So könne aufgezeigt werden, ob ein Mensch gestresst ist oder nicht. Die Daten, die jetzt gesammelt werden, so Faragau, würden zunächst das System trainieren, "das dann in Echtzeit selbst Daten interpretieren kann."

Eine junge Frau sitzt mit einer Haube auf dem Kopf vor Zuschauern
Probandin Tatiana Kholiavko mit EEG-Haube. | Bild: rbb/Aline Lepsch

Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine

Es gehe darum, die Schnittstelle zwischen Mensch und Computer zu verbreitern, die letzteren also nicht nur per Mausklick zu bedienen, sondern mit dem Gehirn steuern zu können, erklärt André Röhrig vom Wissens- und Technologietransfer der BTU. Bei Belastung könnte so beispielsweise der Computer im Auto dem Fahrer eine Pause anordnen: "Oder stellen sie sich einen Bandarbeiter vor, der acht Stunden am Band arbeitet und völlig überlastet ist, am Ende merkt er das selber gar nicht und so könnten beispielweise Unfälle vermieden werden", beschreibt Röhrig einen Anwendungsbereich, der mithilfe der Forschung entstehen könnte.

Wie am Beispiel des Bandarbeiters verfahren wird, nachdem die Belastung erkannt wurde, ist noch offen. Aber Ideen hat Maria Faragau bereits: "Zum Beispiel könnte, wenn wir im Arbeitsstress sind, Musik angehen oder das Licht sich anpassen."

Sendung: Antenne Brandenburg, 14.12.22, 16.15 Uhr

Beitrag von Iris Wußmann

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