Folgen des Ukraine-Krieges - "Schiffe, die mit Weizen vollgeladen wurden, konnten den Hafen nicht verlassen"

Di 26.04.22 | 15:35 Uhr
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 26.04.2022 | Marie Stumpf

Die Ukraine gilt als "Kornkammer der Welt". Wegen des Krieges sind Exporte derzeit kaum möglich. Das bekommen auch Landwirte in Brandenburg wirtschaftlich zu spüren, die ihren Weizen in der Ukraine anbauen. Von Marie Stumpf

Russland und die Ukraine gehören zu den größten Weizenexporteuren der Welt. Der Krieg in der Ukraine könnte weltweit für Engpässe bei landwirtschaftlichen Produkten sorgen. Hungersnöte in Afrika und dem Nahen Osten drohen. In Deutschland wird der importierte Weizen vor allem als Futtermittel verwendet.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukraine-Krieges bekommen auch die beiden Landwirte Torben Reelfs und Tim Nandelstädt aus Buckow (Märkisch-Oderland) zu spüren. Sie bauen ihren Weizen in der Ukraine an und exportieren ihn dann nach Afrika.

Volles Weizenlager, Seeweg ist dicht

Der Hof von Tim Nandelstädt und Torben Reelfs liegt im Westen der Ukraine - rund 40 Kilometer südlich von Lwiw. Dort sitzt auch ihr Betriebsleiter. Seit 13 Jahren führen die beiden Buckower den Betrieb. Über einen befreundeten Landwirt kamen sie erstmals in die Ukraine, bauten ihren eignen Hof auf. Diesen führen sie inzwischen von Deutschland aus.

Die Weizenernte lief immer gut, doch in diesem Jahr ist alles anders, erzählt Tim Nandelstädt: "Unser Lager ist relativ voll und es ist gerade schwierig, den Weizen zu verkaufen, das geht gerade nur in der Ukraine."

Der Seeweg ist dicht. Die russische Marine kontrolliert den Hafen von Odessa und das Schwarze Meer, erklärt Torben Reelfs: "Schiffe, die mit Weizen vollgeladen waren, konnten den Hafen nicht verlassen beziehungsweise wurden vom russischen Militär übernommen. Dadurch ist es so unsicher geworden, sodass der Schiffsverkehr zum Erliegen gekommen ist."

Weizenpreis in der Ukraine ist extrem gesunken

Die Folge: Der Weizenpreis in der Ukraine ist extrem gefallen - auf dem Weltmarkt steigt er, denn rund 30 Prozent des international gehandelten Weizens stammt aus Russland und der Ukraine. In Deutschland haben die beiden Landwirte bisher kaum Kund:innen - zu lang und teuer ist der Transport über Straße oder Schiene. Jetzt ist es die einzige Alternative. Eine Speditionsfirma in Deutschland hat den Buckowern deswegen kostengünstig Lastwagen für den Transport angeboten.

Auf den Feldern in der Ukraine wächst unterdessen der Weizen für die nächste Saison - für Tim Nandelstädt und seinen Kollegen bleibt zu hoffen, dass sie diesen im Herbst auch noch ernten können: "Falls Russland irgendwelche Bodentruppen schickt und der Westen dann doch noch von den Russen eingenommen wird, dann glaub ich nicht, dass wir da unseren Weizen dreschen, dann werden das die Russen machen."

 

Sendung: Antenne Brandenburg, 27.04.2022, 14:10 Uhr

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