Infektionswelle in Kinderklinik in Lauchhammer - "Dann schafft man es nicht mal einen Kaffee zu trinken oder was zu essen"

Mi 21.12.22 | 18:35 Uhr | Von Iris Wußmann
Mitarbeiter auf der Kinderstation in Lauchhammer
Video: rbb24 Brandenburg Aktuell | 21.12.2022 | A. Lepsch | Bild: rbb/Aline Lepsch

Die seit Wochen grassierende RS-Virus-Infektionswelle und die Grippewelle bringen die Mitarbeitenden auf der Kinderstation des Klinikums Niederlausitz an die Belastungsgrenze - eine Situationsbeschreibung. Von Iris Wußmann

Visite auf der Kinderstation in Lauchhammer bei Nele Sluka-Labuhn. Das zwölf Wochen alte Mädchen ist am Respiratorischen Synzytial-Virus, kurz: RS-Virus erkrankt. Sie atmet schwer und bekommt Sauerstoff. Besonders für Säuglinge sei das Virus gefährlich, erklärt Oberarzt Ricardo Beck: "Letztendlich greift das RS-Virus die kleinen Lungenbahnen an, die man braucht, um Luft zu holen." Der Angriff führe zu einer Schleimbildung, so dass Luft nur noch schwer ankommt.

Ein Säugling mit einem Beatmungsgerät
Die kleine Nele wird mit Sauerstoff versorgt. | Bild: rbb/Aline Lepsch

Schwestern häufen Überstunden an

Aktuell sind zwölf der 22 Betten in der Kinderklinik belegt. Das RS-Virus bedeute einen enormen Pflegeaufwand vor allem für die Schwestern. Sie müssen die Anamnese machen, Mütter anleiten, mit den Kindern inhalieren und die Räume desinfizieren. Noch sei die Situation zu händeln, sagt Beck: "Wir mussten noch keine Unterstützung von der Erwachsenenstation anheuern."

Jedoch kommen die Kinderkrankenschwestern, wie Annett Brockel, durch die seit Wochen anhaltende Belastung an ihre Grenzen. "Wenn man zum Dienst kommt, noch nicht einmal richtig die Übergabe gemacht hat und dann schon loslegen muss und die Kinder in der Notaufnahme schon anstehen, dann weiß man, dass man es heute nicht mal schafft, einen Kaffee zu trinken oder was zu essen - das ist dann schon anstrengend", sagt die Schwester.

Es gebe Schwestern, die bereits einhundert Überstunden angesammelt haben, so Brockel weiter. Da sei die Kraft irgendwann aufgeschöpft. "Und da braucht man dann auch mal länger frei als nur einen Tag." Trotzdem sei sie mit vollem Herzen Kinderkrankenschwester. "Ich möchte nichts anderes machen, als mit Kindern zu arbeiten."

Plateau könnte erreicht sein

Im Moment werden vier bis fünf Kinder täglich in Lauchhammer aufgenommen. Oberarzt Beck rechnet damit, dass die Zahlen erst einmal nicht weiter ansteigen. "Wir denken, dass wir momentan auf einem Plateau sind, sodass wir vielleicht das Glück haben, bis zum Jahreswechsel keinen weiteren Anstieg zu haben." Gegebenenfalls könnte es sogar einen leichten Einfall geben, so zumindest die Hoffnung, sagt Beck.

Hoffen muss auch Lisa Sluka-Labuhn, die Mutter der kleinen Nele. Deren Zwillingsschwester Lena ist ebenfalls krank und musste verlegt werden: "Es ist schwierig, man kann sich nicht teilen. Man ist froh, dass man hier bei dem einen Kind ist, aber man wäre natürlich auch gern bei der anderen Tochter." Sie müsse sich in Geduld üben und darauf warten, dass der Husten zurück gehe und die Kinder mit stabilen Werten aus der Klinik entlassen werden können.

Sendung: Antenne Brandenburg, 21.12.22, 16.42 Uhr

Beitrag von Iris Wußmann

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