Expertenkommission hat Arbeit aufgenommen - Herthas Stadionpläne sind für den Sportausschuss noch nebulös

Fr 18.11.22 | 17:56 Uhr
Olympiastadion Berlin mit Maifeld, Luftaufnahme (Quelle: imago images/Matthias Koch)
Audio: rbb24 Abendschau | 18.11.2022 | Philipp Höppner | Bild: imago images/Matthias Koch

Die Träume von Hertha BSC nach einem neuen Stadion haben in den vergangenen Monaten neue Hoffnung bekommen. In der Sitzung des Sportausschusses zeigt sich aber: Viel Konkretes tut sich noch nicht. Auch die Dialogbereitschaft wirkt fragil.

Die Expertenkommission des Berliner Senats, die sich mit der Machbarkeit eines Stadionneubaus von Hertha BSC auf dem Olympiagelände beschäftigt, ist am Donnerstag zum ersten Mal zusammengekommen. Das sagte Staatssekretärin Nicola Böcker-Giannini (SPD) in der Sitzung des Sportausschusses am Freitag.

In der Sitzung beschäftigte sich der Ausschuss mit den Plänen von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und Hertha BSC, einen Stadionbau am sogenannten Lindeneck zu forcieren.

Zu Gast im Ausschuss waren neben einem Vertreter des Klubs auch die Fan-Initiative "Blau-Weißes Stadion", sowie der "Reitverein am Maifeld", der gegenwärtig auf dem Gelände seine Sportstätte hat und ein Vertreter der Anwohner-Interessensgemeinschaft "IG Ruhleben". Die über dreistündige Sitzung zeigte deutlich: Der Weg bis zum eigenen Stadion ist noch weit für Hertha BSC.

Verbesserte Kommunikation aber die gleichen Probleme

Im Anschluss lobten die Betroffenen immerhin die neue Dialogbereitschaft - und das ist wohl das, was diesen Anlauf von den bisherigen Vorstößen nach einem neuen Stadion unterscheiden könnte. Sowohl die Vorsitzende des Reitvereins Angela Riesslack als auch Johannes Zurl von der Anwohnervertretung gaben an, bislang nicht ausreichend in Gespräche eingebunden worden zu sein. Herthas Geschäftsführer Thomas Herrich kündigte an, dies verändern zu wollen.

Auch wenn hinterher alle betonten, es gehe nur gemeinsam, bleiben die bekannten Konflikte bestehen: Die Positionen von Anwohnern und des Reitvereins sind seit Monaten bekannt. Beide sprachen sich erneut gegen einen Stadionbau an der von Hertha und dem Senat favorisierten Position aus. Der Reitverein, weil er sein Gelände nicht verlassen will und keine geeignete Ausweichfläche sieht, die Anwohnergemeinschaft unter anderem aus Gründen des Lärmschutzes.

Faninitiative ist in der Expertenkommission, Anwohner und Reitverein nicht

Für Konfliktpotential sorgt auch die Zusammensetzung der neu gegründeten Expertenkommission. Während die Faninitiative "Blau-Weißes-Stadion" im Gremium vertreten ist, fehlen der Reitverein und die IG Ruhleben. Im Ausschuss sorgte das für Verwunderung.

Der Senat antwortete zu diesem Thema auf eine Anfrage der Linken, die rbb|24 vorliegt: "Die Mitglieder beider Gremien sind danach ausgewählt worden, einen substanziellen fachlichen Beitrag hinsichtlich der Anforderungen und Voraussetzungen, die für die Errichtung eines Stadions an diesem Standort notwendig sind, einschließlich der potentiellen Risiken für das Land Berlin, leisten zu können." Die Faninitiative sei Teil des Gremiums, weil sie sich seit Jahren "intensiv mit der möglichen Realisierung eines reinen Fußballstadions im Land Berlin" befasse. Betroffene würden im Verlauf des Prüfungsverfahrens angehört, heißt es weiter in der Antwort des Senats.

Frage der Finanzierung vage beantwortet

Mehrere Abgeordnete sprachen in der ausführlichen Fragerunde davon, "sich wie im Nebel zu fühlen" und verlangten weitere Details von der Senatsverwaltung sowie von Hertha BSC zu den Plänen. Sandra Brunner von den Linken betonte, im aktuellen Stadium werde es von der Linken "kein Bekenntnis für einen Neubau im Olympiagelände" geben, da zu viele Fragen offen seien.

Unter anderem ging es auch um die mögliche Finanzierung des Stadionneubaus. Herthas Geschäftsführer Thomas Herrich sagte dazu, dass es einen Drei-Säulen-Plan des Vereins gäbe, der zu einem geringen Teil aus Eigenmitteln und zum Großteil aus Fremdkapital bestehe. Insgesamt zeigte die Fragerunde mit den Fraktionsvertretern des Abgeordnetenhauses aber vor allem eines: Dass es immer noch erstaunlich wenig Neues gibt.

Sendung: rbb24 Abendschau, 18.11.2022, 19.30 Uhr

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