Solidarität der Fans im Stadion - Iran gibt beschlagnahmten Pass von Ex-Hertha-Star Daei wieder zurück

Mo 10.10.22 | 19:42 Uhr
Herthas Fans solidarisieren sich mit Ex-Profi Ali Daei (imago/Matthias Koch)
Audio: rbb24 Inforadio | 11.10.2022 | Dennis Wiese | Bild: imago/Matthias Koch

Hertha BSC solidarisierte sich am Sonntag mit seinem Ex-Stürmer Ali Daei. Der iranische Rekordnationalspieler hatte die landesweiten Proteste für mehr Frauenrechte unterstützt. Daraufhin wurde ihm sein Pass abgenommen. Den hat er nun zurück.

Die Behörden des Iran haben dem Ex-Hertha-Star und Rekordnationalspieler des Landes Ali Daei seinen Pass zurückgegeben. Das bestätigte der 53-Jährige am Montag. Die Maßnahme des Entzugs der Papiere galt als Reaktion der Machthaber auf die Unterstützung Daeis für die Rechte der Frauen. Er hatte in den sozialen Netzwerken aufgerufen, "die Probleme des iranischen Volks zu lösen, anstatt auf Unterdrückung, Gewalt und Verhaftungen zurückzugreifen".

Ali Daei 1999 im Hertha-Trikot, den Ball im Blick (Quelle: imago/CONTRAST)
Ali Daei 1999 im Hertha-Trikot | Bild: imago/CONTRAST

Spruchband im Olympiastadion

Nach dem Entzug des Passes hatten auch Hertha BSC und seine Fans deutlich ihre Solidarität mit ihrem Ex-Spieler Daei bekundet. Im Heimspiel gegen Freiburg am Sonntag zeigte die Ostkurve ein Banner mit der Aufschrift: "Freiheit für Ali Daei & alle Protestierenden im Iran". Über Twitter zeigte Hertha BSC sich auch offiziell solidarisch mit dem früheren Stürmer.

"Bestürzt blicken auch wir dieser Tage in den Iran. Unser ehemaliger Spieler Ali Daei darf das Land nicht mehr verlassen, da er sich für Frauenrechte eingesetzt hat. Wir solidarisieren uns mit dem Herthaner allen Frauen im Iran, die so mutig sind, für ihre Rechte zu kämpfen", hieß es in einer Mitteilung der Berliner. Sie wurde vor dem Anpfiff der Partie auch im Stadion verlesen.

Ali Daei erzielte in seiner Karriere 109 Länderspieltore für den Iran. Bis Portugals Superstar Cristiano Ronaldo im September 2021 an ihm vorbeizog, war Daei damit der erfolgreichste Länderspieltorschütze der Welt. Um die Jahrtausendwende spielte der Torjäger, damals mit markantem schwarzen Schnauzbart, drei Jahre lang für Hertha BSC.

Taheri: "Es sind Vorbilder der Gesellschaft"

Die einstigen Erfolge und sein Volkshelden-Status interessieren die aktuelle politische Führung im Iran wenig. Im Gegenteil. Das Regime erhöhe den Druck auch auf die prominentesten Iraner, sagt Manutscher Taheri, Vorstand der iranischen Gemeinde in Deutschland rbb|24: "Es sind Vorbilder der Gesellschaft, sie können viele Menschen mobilisieren, deshalb greift das Regime so hart durch."

Der Fußball habe einen enormen Einfluss auf die iranische Gesellschaft. "Davor hat das Regime große Angst. Deshalb finden die Fußballspiele im Iran aktuell ohne Zuschauer statt", sagt Taheri. In den Stadien habe es viele regimekritische Gesänge gegeben. "Wenn die Menschen aus den Stadien auf die Straßen gehen würden, dann könnte man das wohl nicht mehr aufhalten."

Niroomand: "Moralische Unterstützung ist Balsam"

Auch Kaweh Niroomand - in der Sportwelt Berlins als Manager der BR Volleys bestens bekannt und vernetzt - überraschen die Reaktionen des iranischen Regimes nicht. "Es fühlt sich niemandem gegenüber verantwortlich außer den Interessen der herrschenden Mullahs", sagt der 69-Jährige, der in Teheran geboren wurde, im rbb|24-Interview. "Von daher werden die vor nichts Rücksicht nehmen. Wenn es ihnen zu heikel wird, werden die auch nicht davor zurückschrecken, bekannte Menschen, Nationalhelden, zu inhaftieren und vielleicht sogar zu erschießen."

Aktionen - wie die von Hertha BSC und seinen Fans im Fall Daei - findet er daher immens wichtig. "Diese moralische Unterstützung, auch hier aus Berlin, ist für die Menschen im Iran sehr viel wert", sagt Niroomand. "Das ist Balsam auf die Seele dieser Menschen, wenn sie merken, dass sich international auch andere mit ihnen solidarisieren."

Sportwelt: Forderungen, Iran von der WM auszuschließen

Der Iran ist Schauplatz von Protesten, seit die 22 Jahre alte Kurdin Mahsa Amini am 16. September in Polizeigewahrsam zu Tode gekommen war. Die Frau war von der sogenannten Sittenpolizei wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die Kleiderordnung des Landes festgenommen worden.

Bereits vor zehn Tagen war - wegen gleichlautender Kritik an den Behörden des Landes wie die Daeis - mit Hossein Maahini ein weiterer Ex-Nationalspieler verhaftet worden. Auch Bundesliga-Profi Sardar Azmoun (Bayer Leverkusen) hatte sich den Protesten in seiner Heimat angeschlossen. "Schämt euch alle, wie leichtfertig Menschen ermordet werden. Lang leben die iranischen Frauen", hatte Azmoun in einem inzwischen gelöschten Posting geschrieben.

Mittlerweile gibt es Forderungen aus der Sportwelt, die iranische Nationalmannschaft von der WM-Endrunde im November und Dezember in Katar auszuschließen. Bislang hat der Weltverband FIFA nicht auf diesen Vorstoß reagiert. Der Iran wurde in die Vorrundengruppe B gelost, zusammen mit den USA, England und Wales.

Sendung: rbb24, 10.10.2022, 18 Uhr

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