Nach hitzigem Duell in der Kreisliga C - Delay-Sports-Fans fluten Online-Auftritte des FC Grunewald

Do 01.09.22 | 14:07 Uhr
Der Twitch- und Youtube-Star Elias Nerlich bei einem Spiel von Delay Sports (imago images/Matthias Koch)
Audio: rbb24 Inforadio | 31.08.2022 | Kollegengespräch mit Christian Dexne | Bild: imago images/Matthias Koch

Beim Kreisliga-Duell zwischen Delay Sports und dem FC Grunewald kam es am Sonntag zu Provokationen. Die Fans des Berliner Influencer-Klubs stürmten daraufhin Grunewalds Online-Auftritte mit Anfeindungen.

Die Tribüne im Stadion Wilmersdorf war am vergangenen Sonntag gut gefüllt. Zahlreich hatte sich das vor allem junge Publikum versammelt, um die Kreisliga-C-Begegnung zwischen dem FC Grunewald und dem Influencer-Team Delay Sports zu verfolgen. Twitch- und Youtube-Star Elias Nerlich feuerte seine in diesem Jahr gegründete Mannschaft von der Seitenlinie an, auf dem Rasen schoss Ex-Hertha-Profi Sidney Friede in der 78. Minute den 2:1-Siegtreffer für Delay Sports.

Nerlich kritisiert unsportliches Verhalten

Egal wo das Influencer-Team in der Kreisliga auftaucht, erregt es Aufsehen. Unzählige Fans kommen zu den Spielen, um Nerlich und Co. aus nächster Nähe zu sehen und ein Foto abzustauben. Die gegnerischen Teams freuen sich derweil, vor vielen Zuschauern spielen zu können und sich im Zweikampf einmal gegen Sidney Friede beweisen zu können.

Auch der FC Grunewald ging die Partie motiviert an. Für den Ex-E-Sportler Nerlich schossen sie dabei allerdings wohl über das Ziel hinaus.

Erst wendete sich Nerlich auf Instagram (eine Million Follower) nach dem Spiel an seine Fans und kritisierte Teile des FC Grunewalds für ihr Verhalten. "Ein paar von denen waren nicht so cool und da stelle ich mich vor meine Spieler", sagt der 24-Jährige. Er berichtet von verschiedenen Situationen, in denen sich die gegnerischen Spieler unsportlich und provokant verhalten hätten.

Vor allem Sidney Friede sei immer wieder aufgrund seiner gescheiterten Profi-Karriere beleidigt worden sein, die er wegen einer Verletzung frühzeitig beenden musste. "So etwas geht meiner Meinung nach gar nicht", legte Nerlich später auf der Streaming-Plattform Twitch (1,1 Millionen Follower) nach. "Das hat mich wirklich gestört und da nutze ich jetzt meine Reichweite für, um auch mal darauf aufmerksam zu machen."

Auch von Grunewalds Trainer seien immer wieder Provokationen in Richtung Delay Sports ausgegangen. Nerlich schildert eine Situation, in der einer seiner Spieler nach einem Pressball verletzt liegen blieb und vor Schmerz schreien musste. Der Trainer habe die Spieler des FC Grunewald dann lautstark aufgefordert, den Verletzten zu ignorieren und weiterzuspielen, da das Spiel nach der Aktion nicht unterbrochen wurde. "Die haben keine Vorbildfunktion, sondern waren meiner Meinung nach Witzfiguren, die provozieren und anheizen", wettert Nerlich.

Fans stürmen Grunewalds Online-Auftritte

Bei einer normalen Kreisliga-Begegnung wären diese Vorwürfe wohl ohne größere Konsequenzen für den FC Grunewald geblieben. Doch nach den Statements des Influencers brach eine Welle von Anfeindungen über dem kleinen Verein zusammen. Auf dessen Instagram-Profil stürmte Nerlichs Community die Kommentarspalte unter dem aktuellsten Bild, das aus dem Dezember 2019 stammt. Mehr als 300 Menschen äußerten sich dort innerhalb kürzester Zeit und hatten vor allem Spott und Hohn für Grunewald übrig, aber auch persönliche Beleidigungen gegen Verein, Spieler und Trainer sind dort zu lesen.

Ein User schreibt zum Beispiel: "Sidney verdient das doppelte von euren spielern aus der 1. und 2. mannschaft ihr wi**er." Ein weiterer schimpft: "jedes mitglied dieses vereins kann sich schämen. drecksverein."

Auch in der Kommentarspalte unter dem Highlight-Video der Partie, das auf dem YouTube-Kanal von Sidney Friede hochgeladen wurde, finden sich zahlreiche Anfeindungen gegenüber dem FC Grunewald, dem zum Beispiel unsportliches und asoziales Verhalten unterstellt wird. Und sogar auf Google Maps haben die Fans ihre Wut zum Ausdruck gebracht. Unzählige Ein-Sterne-Bewertungen prasseln dort auf die Standorte des Vereins nieder.

Schiedsrichter widerspricht teilweise

Der FC Grunewald wollte sich auf rbb-Anfrage nicht zu den Vorfällen äußern. Man wolle nicht noch weiter für Aufmerksamkeit sorgen. Das Instagram-Profil hatte der Verein bereits am Montag auf privat stellen müssen, um die Flut an Kommentaren und Anfeindungen zu unterbinden.

Allerdings meldete sich der Schiedsrichter der Partie, Kevin Nehls, nach Erstveröffentlichung dieses Artikels beim rbb und widersprach der Darstellung von Nerlich in Teilen. Nicht nur von Grunewald seien Provokationen ausgegangen, sondern auch die Spieler und Verantwortlichen von Delay Sports hätten sich mehrfach verbal fehlverhalten. Außerdem habe er mehrere Personen auf der Bank von Delay Sports immer wieder darauf hinweisen müssen, nicht bei jedem Foul auf das Spielfeld zu rennen und sich lautstark zu beschweren, so Nehls weiter. Insgesamt sei es auf dem Rasen ein normales Kreisliga-Spiel gewesen, in dem das Gemüt auf beiden Seiten erhitzt gewesen sei.

BFV nimmt Nerlich in die Pflicht

Auch der Berliner Fußball-Verband (BFV) weiß von diesem Vorfall. "Ich glaube, es werden noch ein paar Dinge passieren, auf die wir nicht vorbereitet sind. Und daraus müssen wir lernen", sagt Malte Schruth, Präsidialmitglied Innovation, Vereins- und Verbandsentwicklung und Qualifizierung beim Verband. Er hoffe, dass es nicht häufiger dazu führe, dass Leute angefeindet würden und es Mobbing gebe, so, wie jetzt beim FC Grunewald. "Umso mehr müssen wir daraus lernen und gucken, wie man entgegenwirken kann", sagt er. Dabei nimmer er auch Influencer Elias Nerlich in die Pflicht. "Eli muss seine Follower auch ein bisschen erziehen und auf sie einwirken."

Der BFV hatte Delay Sports eine Sondergenehmigung erteilt, um direkt in der Kreisliga C einzusteigen. Eigentlich muss ein neu gegründeter Klub drei Jahre in der Freizeitliga spielen, ehe er in den Spielbetrieb der Kreisliga C einsteigen darf. Der BFV verspricht sich davon eine Stärkung des Amateur-Fußballs in Berlin.

Nerlich selbst wollte zum Konflikt mit dem FC Grunewald nichts mehr sagen, teilte aber über sein Management mit, dass er solche Reaktionen seiner Fans nicht wünsche.

Sendung: rbb24, 31.08.2022, 18 Uhr

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