Sanktionen gegen Russland - Welche Auswirkungen die Luftraumsperrungen haben dürften

So 27.02.22 | 16:36 Uhr | Von Oliver Noffke
Ein Passagierflugzeug der russischen Luftfahrtlinie Aeroflot am Flughafen BER, Archivbild (Quelle: DPA/Patrick Pleul)
Bild: DPA/Patrick Pleul

Deutschland und andere EU-Staaten verbieten russischen Flugzeugen den Überflug. Russland reagiert mit entsprechenden Gegenmaßnahmen. Nicht nur Passagiere dürften davon betroffen sein, auch der Warenverkehr wird gestört. Von Oliver Noffke

Ausgefallene Flüge, längere Flugzeiten, Einschränkungen beim Warenverkehr: Die Luftraumschließungen von EU-Staaten und Russland für Airlines der jeweils anderen Seite werden in der Region konkrete Auswirkungen haben.

"Das werden wir auch merken", sagte BER-Pressesprecher Hannes Stefan Hönemann auf Anfrage von rbb|24. "Momentan waren ein bis zwei Flüge pro Tag nach Russland geplant. Das ist pandemiebedingt noch eingeschränkt, aber jetzt fallen diese Verbindungen ganz weg."

Seit Sonntag 15 Uhr dürfen sich russische Flugzeuge nicht mehr im Luftraum über der Bundesrepublik aufhalten. Das hat Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) entschieden, teilte sein Ministerium mit.

Auch Frachtverkehr betroffen

Die Luftraumsperrungen werden auch Auswirkungen auf den Frachtverkehr haben. Am BER würde zwar vor allem sogenannte "Belly-Fracht" abgewickelt, sagte Hönemann. Es kämen also kaum reine Frachtflugzeuge zum Einsatz. Stattdessen komme Fracht vor allem in den Bäuchen der Passagierflugzeuge zum BER.

Lufthansa Cargo wickelt ihre Langstreckenflüge zwar über die Flughäfen München oder Frankfurt am Main ab und DHL ab Leipzig; dennoch werden Verzögerungen auf asiatischen Verbindungen bundesweite zu spüren sein. So werden insbesondere Medikamente und weitere medizinische Produkte per Flugzeug importiert.

Künftig deutlich längere Flugzeiten Richtung Asien

Es ist nicht das erste Mal, dass Russland unter Putin seinen Luftraum für europäische Flugzeuge schließt. Im Herbst 2007 verbot das Land der Frachtsparte der Lufthansa den Überflug. Erst als das Unternehmen einwilligte, Zwischenstopps nach Asien künftig im sibirischen Krasnojarsk einzulegen, statt in Kasachstan, zog Russland die Sperrung zurück. Einige Bundestagsabgeordnete warfen Putins Regierung damals Erpressung vor.

Dass europäische Airlines sich darauf einstellen müssen, Russland künftig weitestgehend zu umfliegen, wird zu deutlich längeren Flugzeiten in viele asiatische Länder führen - und damit auch zu höheren Kosten.

Als erster EU-Staat hatte Polen am Donnerstag Russland die Nutzung seines Luftraumes verwehrt, andere osteuropäische Staaten waren gefolgt. Moskau reagierte darauf wiederum mit dem Verbot von Überflügen. Am Samstag kehrten mindestens drei deutsche Flugzeuge auf dem Weg nach Asien wieder an ihre Ausgangsflughäfen zurück [tagesschau.de].

Ukrainische Airlines fliegen weiter

Am härtesten dürften allerdings die russischen Airlines von den Verboten getroffen werden. Durch die Pandemie ist ihnen, wie der weltweiten Konkurrenz auch, ein Großteil der Einnahmen weggebrochen. Schon in den Jahren davor gab es eine Reihe von teilweise dramatischen Airline-Insolvenzen in Russland. Nun werden die verblieben quasi komplett vom lukrativen Europa-Geschäft abgeschnitten.

Flüge in die Ukraine sind nach wie vor geplant. Etwa nach Kiew oder Odessa, beide Städte stehen derzeit zum Teil unter russischem Beschuss. Am BER sei man bemüht, all diese Flüge so gut es geht zu unterstützen, so Hönemann. "Ob die Flüge durchgeführt werden, ist allerdings jeweils eine Entscheidung der Airlines und eben der Behörden", sagt er.

Viele europäische Fluglinien meiden derzeit den ukrainischen Luftraum, wie die Echtzeitdaten der Website flightradar24.com zeigen. Im Juli 2014 wurde über der Ostukraine eine Passagiermaschine von Malaysia Airlines abgeschoßen. 298 Menschen starben. Die Investigativreporterinnen des Netzwerks Bellingcat konnten später nachweisen, dass dafür ein Raketensystem des russischen Militärs genutzt worden war [bellingcat.com, Informationen in englischer Sprache]. Unter anderem auf Satelitenbildern war zu sehen, wie das Geschütz vor dem Abschuss in die Ostukraine gebracht wurde und anschließend wieder zurück nach Russland.

Beitrag von Oliver Noffke

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