Landkreise bereiten Unterkünfte vor - Brandenburg schafft 10.000 Plätze für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine

Mo 28.02.22 | 19:50 Uhr
Geflüchtete Ukrainer*innen gelangen über die Grenze nach Polen © AP Photo/Petr David Josek
Audio: Inforadio | 27.02.2022 | Michael Stübgen | Bild: AP Photo/Petr David Josek

In Brandenburg ist sich die Zahl der angemeldeten Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine bisher noch gering. Trotzdem kündigte Innenminister Stübgen im rbb an, die Aufnahme von 10.000 Geflüchteten Menschen in Brandenburg vorzubereiten.

In Brandenburg haben sich bislang nur wenige Menschen gemeldet, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind.

Wie die zentrale Ausländerbehörde des Landes in Potsdam am Montag mitteilte, sind bisher 16 Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) untergekommen. Darunter seien auch Menschen aus anderen Staaten, die aber in der Ukraine gelebt, studiert oder gearbeitet haben. In der Einrichtung sind aktuell etwas mehr als die Hälfte der 3.200 Plätze belegt. Seit vergangener Woche wird gepüft, ob weitere Kapazitäten geschaffen werden müssen.

Brandenburg will 10.000 Plätze einrichten

Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) kündigte in der rbb-Sendung Brandenburg aktuell am Sonntag dennoch an, das Land werde 10.000 Plätze sehr schnell zur Verfügung stellen. Es gebe eine riesengroße Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung, auch die Kommunen bemühten sich um Beherbergungsmöglichkeiten.

Der Leiter der Erstaufnahmeeinrichtung, Olaf Jansen, erklärte am Sonntag, in der Unterkunft und an drei weiteren Standorten stünden 1.700 Plätze sofort zur Verfügung. Bei Bedarf könnten kurzfristig weitere Unterkünfte angemietet werden. Bislang, so Jansen, kämen viele Geflüchtete auch in Brandenburg privat bei Freunden und Verwandten unter.

Große Hilfsbereitschaft im Süden Brandenburgs

Insbesondere im Süden Brandenburgs bereiten sich Städte und Gemeinden aktuell auf eine künftige Aufnahme von Flüchtlingen vor. In Elsterwerda (Elbe-Elster) kann die Sportpension als Unterkunft sofort genutzt werden, sagte Bürgermeisterin Anja Heinrich (CDU) dem rbb. Die Immobilie gehört der Stadt. Bis zu 18 Kriegsflüchtlinge könnten dort unterkommen.

In der 20 Kilometer entfernten Gemeinde Schönborn wird gerade die alte Schule als Unterkunft vorbereitet, sagte Bürgermeister Daniel Mende (Unabhängige Wählergemeinschaft Schönborn) am Montag dem rbb. Bis zu 25 Personen hätten in den Räumen Platz. Außerdem gebe es Angebote, Geflüchtete in Privatwohnungen unterzubringen. Laut Mende wird ein Kontaktmann aus dem ukrainischen Partnerdorf Schenborn Transporte mit einem Kleinbus ins Schönborn im Elbe-Elster-Kreis organisieren. Parallel dazu würden zurzeit medizinische Artikel gesammelt, die am Wochenende in die Ukraine gebracht werden sollen.

Auch das Rathaus in Guben (Spree-Neiße) erreichen zurzeit Dutzende Hilfsangebote, sagte Bürgermeister Fred Mahro (CDU) dem rbb. Viele würden zum Beispiel freie Zimmer in ihren Wohnungen anbieten. "Ich habe sowas hier in Guben noch nicht erlebt", sagt Mahro.

Landesärztekammer bietet Unterstützung an

Die Landesärztekammer Brandenburg rief die Medizinerinnen und Mediziner in dem Bundesland zu Sach- und Geldspenden für die Menschen in der Ukraine auf. "Dies ist ein Gebot der Menschlichkeit", teilte die Vereinigung mit. Zudem bot sie der Landesregierung an, "Unterstützung bei der medizinischen Versorgung von Kriegsopfern und Geflüchteten aus der Ukraine auch in unserem Bundesland zu leisten".

In kriegerischen Auseinandersetzungen gebe "es nicht nur Tote und Verletzte, auch die medizinische Grundversorgung ist kaum noch aufrechtzuerhalten", hieß es weiter. "Der Schutz des Lebens sowie der körperlichen Unversehrtheit sind für uns unverhandelbare Werte. Krieg ist dagegen Massenmord. Es gibt keine chirurgischen Präzisionsschläge, die die unschuldige Zivilbevölkerung verschonen", so der Verband.

DRK koordiniert von Schönefeld aus Hilfsgüter

Unterdessen bereitet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Berlin und in Schönefeld (Dahme-Spreewald) einen ersten Hilfstransport mit Nothilfegütern zur Versorgung der ukrainischen Bevölkerung sowie von Menschen auf der Flucht vor. Die Güter sollen per Lastwagen in das polnische Lublin gebracht werden, von wo aus sie anschließend verteilt werden sollen, wie das DRK mitteilte.

Der Transport sei der Beginn des Aufbaus einer Versorgungslinie für vom bewaffneten Konflikt in der Ukraine Betroffene und für Geflüchtete in Polen, so das DRK weiter. Die Verladung der Güter soll am 1. März im DRK-Logistikzentrum Schönefeld stattfinden, hieß es.

Sendung: Inforadio, 28.02.2022, 9:40 Uhr

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