Brandenburger Energiestrategie - Woidke sieht keine Chance für vorzeitigen Kohleausstieg

Di 01.03.22 | 13:39 Uhr
Ministerpraesident Dietmar Woidke von Brandenburg (SPD) am 27.02.2022 bei seiner Rede bei der Sondersitzung des Deutschen Bundestag aus Anlass des von Russland voelkerrechtswidrig begonnenen Krieg gegen die Ukraine. (Quelle: dpa/Jens Krick)
Audio: Radioeins | 01.03.2022 | Interview mit Ministerpräsident Woidke (SPD) | Bild: dpa/Jens Krick

Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist auch eine Diskussion um den Zeitplan für den Kohleausstieg entbrannt. Brandenburgs Ministerpräsident Woidke bekräftigte, dass eine flächendeckende Energieversorgung rund um die Uhr gewährleistet werden müsse.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine sieht Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) keine Chance mehr, den Kohleausstieg auf 2030 vorzuziehen. Woidke wies am Dienstag im rbb darauf hin, dass die Regierungskoalition im Bund beim Ausstiegsdatum von "idealerweise" gesprochen habe. "Die ideale Welt, die es dazu braucht, ist spätestens mit dem russischen Angriff verschwunden", sagte Woidke im Interview auf Radioeins vom rbb.

Es dürfe keine Denkverbote geben, denn es müsse die Energieversorgung für die Menschen in Deutschland flächendeckend "rund um die Uhr" gesichert werden. "In dieser Diskussion muss die Kohle eine Rolle spielen", erklärte Brandenburgs Ministerpräsident.

Zweifel an Gas als Brückentechnologie

Gleichzeitig müsse der Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigt werden. In Brandenburg sei man in diesem Punkt gut vorangekommen. "Wir sind bei rechnerisch bei 95 Prozent, mit denen wir uns aus erneuerbaren Quellen selbst mit Strom versorgen können." Aber das reiche noch nicht, so Woidke.

Der SPD-Politiker äußerte Zweifel, dass Gas in dem Umfang als Brückentechnologie eingesetzt werden kann, wie es bisher geplant ist. Bis 2030 sollten 50 bis 80 zusätzliche Gaskraftwerke gebaut werden, die dann nochmal zusätzlich Gas verbrauchen würden. "Aus jetziger Sicht wäre das eine Illusion", so der SPD-Politiker.

CDU will Braunkohle als strategische Reserve behalten

Der Brandenburger CDU-Landtagsfraktionschef Jan Redmann hat sich für die Beibehaltung der Braunkohle als strategische Reserve ausgesprochen. Man müsse als Land handlungsfähig bleiben, auch wenn sich bestimmte Bedingungen veränderten, sagte Redmann am Dienstag. Er bezog sich auf die Versorgungssicherheit durch Lieferungen mit russischem Gas. "Wir müssen dann auf den Energieträger zurückgreifen, den wir hier haben. Und das ist die Braunkohle", sagte er. Ihm gehe es aber auch um die Reduzierung des Anteils der Verstromung der brandenburgischen Braunkohle. "Das ist der Unterschied", betonte er.

Aus seiner Sicht müssten erneuerbare Energieträger weiter in den Blick rücken. Er sehe noch Potenzial bei der Photovoltaik. In Brandenburg seien eine ganze Reihe von Flächen noch ungenutzt. Auf Parkplätzen, Gewerbeflächen oder auf Dächern von Industriehallen gebe es noch Platz. Er plädierte für eine gleichzeitige Förderung der Projekte.

Treffen mit Länderkollegen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt

Woidke berät am Dienstag in Cottbus mit den Ministerpräsidenten von Sachsen und Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer und Reiner Haseloff (beide CDU), sowie dem Ostbeauftragten der Bundesregierung, Carsten Schneider, über den Strukturwandel in der Lausitz im Zuge des Kohleausstiegs.

Sie treffen sich dazu auf einer Konferenz des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft zur Inftrastrukturentwicklung im Lausitzer und Mitteldeutschen Revier. Das Treffen steht auch unter dem Eindruck des Kriegs in der Ukraine. Deutschland ist vor allem bei Gas und Kohle von russischen Importen abhängig. In Brandenburg und Sachsen ist die Lausitz vom Braunkohleausstieg betroffen.

Sendung: Radioeins, 01.03.2022, 07:40 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 01.03.2022 um 17:47 Uhr geschlossen. Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.

Nächster Artikel