Hrywnja in Euro - Geflüchtete aus der Ukraine können ab sofort Bargeld umtauschen

Di 24.05.22 | 15:57 Uhr | Von Anna Bordel
Eine Frau hält mehrere Geldscheine der Ukrainischen Währung Hrywnja (Bild: imago images/Sergienko)
Bild: imago images/Sergienko

Bisher waren ihre Scheine in Deutschland wertlos, jetzt können geflüchtete Ukrainer:innen ihr Bargeld in Euro umtauschen. Voraussetzung ist ein bestehendes Konto an einer hiesigen Bank. Einen Höchstbetrag gibt es auch. Von Anna Bordel

Geflüchtete aus der Ukraine können seit Dienstag, drei Monate nach Kriegsbeginn, ukrainisches Geld an deutschen Banken in Euro umtauschen. Bis zu 10.000 Hrywnja, umgerechnet etwa 300 Euro kann jede:r von ihnen in den kommenden zwölf Wochen umtauschen. Darauf haben sich das Bundesfinanzministerium, der Bundesverband deutscher Banken (BDB), die Deutsche Kreditwirtschaft und die Ukrainische Nationalbank geeinigt.

Seit dem Kriegsbeginn vor drei Monaten sind Hunderttausende Ukrainer:innen aus ihrem Land nach Deutschland geflohen, allein in Berlin kamen mindestens 234.000 an - viele von ihnen nur mit dem Nötigsten und häufig mit Bargeld in den Koffern. Bislang konnten sie mit ihren Geldscheinen in Deutschland nichts anfangen, der Wechsel in Euro war an deutschen Banken und Wechselstuben nicht möglich.

Stark beschädigte Scheine ausgeschlossen

Banken der Deutschen Kreditwirtschaft sowie Sparkassen können fortan 100-, 200-, 500- und 1.000-Hrywnja-Scheine annehmen. Stark beschädigte und kleinere Scheine sowie Münzgeld würden nicht angenommen, so Tanja Beller, Sprecherin des BDB. Der Umtausch erfolge demnach zu dem aktuellen Wechselkurs, der von er Deutschen Bank veröffentlicht wird. Für zehn Euro braucht es derzeit etwa 333 Hrywnja, Anfang März waren es noch 322.

Um Geld zu tauschen, müssen Ukrainer:innen dem BDB zufolge volljährig sein und bereits ein Konto bei der Bank haben, bei der sie das Geld auch umtauschen möchten. Das Konto dürfe allerdings erst seit frühestens Februar 2022 bestehen und es müsse ein Nachweis erfolgen, dass die Person erst zu Kriegsbeginn oder später in Deutschland eingereist ist. Die Umtauschmöglichkeit gilt laut Bundesfinanzministerium ausdrücklich nur für "Flüchtlinge, die vor den Kriegshandlungen aus der Ukraine geflohen sind".

Umtausch kostenlos

Um dies sicherzustellen und auch zu prüfen, ob der Höchstbetrag pro Person noch nicht überschritten wurde, sendet die jeweilige Bank laut Informationen des BDB Daten wie Name und Geburtsdatum an die Europäische Zentralbank in Frankfurt. Diese speichere die Daten, die für die Banken selber aber nicht einsehbar seien. Die umgetauschten Euro bekommen Ukrainer:innen der Mitteilung zufolge nicht in Bar ausgezahlt, sondern werden umgerechnet auf dem jeweiligen Konto hinterlegt. Kosten tue der Umtausch geflüchtete Ukrainer:innen nichts.

Insgesamt hat sich das Bundesfinanzministerium eigenen Angaben zufolge mit der ukrainischen Nationalbank auf ein Umtauschvolumen von 1,5 Milliarden Hrywnja geeinigt, das entspricht etwa 45 Millionen Euro. Die deutsche Bundesbank führt demnach die umgetauschten Hrywnja wieder an die ukrainische Nationalbank zurück. "Etwaige Verluste, die sich aus dem Umtausch ergeben, trägt der Bundeshaushalt", heißt es in der BDB-Mitteilung.

Zuvor keine Nachfrage für Hrywnja-Wechsel

Vor Beginn der Kriegshandlungen in der Ukraine habe es "praktisch keine Nachfrage nach dem Umtausch von Hrywnja in Euro" gegeben, sagte Beller vom BDB, "somit wurde er von Banken und Wechselstuben nicht angeboten".

Im März hätte die EU-Kommission dann vorgeschlagen dass EU-Länder es ermöglichen sollten, dass ukrainische Geflüchtete ihr Bargeld in die jeweilige Landeswährung eintauschten. Die Bundesregierung habe nun diese Empfehlung der Kommission in nationales Recht umgesetzt, so die Sprecherin. Ukrainer:innen könnten auch weiterhin mit internationalen Geldkarten von ihren ukrainischen Konten Geld abheben, soweit in der Ukraine der Zahlungsverkehr nicht durch akute Eingriffe wie Stromausfall durch Kriegshandlungen unterbrochen sei.

Vorerst keine Auswirkungen auf Zahlungen der Sozialämter

Vorerst werde sich die Umtauschmöglichkeit vermutlich nicht auf die Zahlungen der Sozialämter an Geflüchtete auswirken. Der Neuköllner Sozialstadtrat Falko Liecke (CDU) geht nach eigenen Angaben zumindest nicht davon aus, da man ja die Vermögensverhältnisse der Antragsteller nur schwer überprüfen könne. "Ich kann ihnen ja nicht unter das Kopfkissen oder in die Brieftasche gucken", sagte Liecke unter Vorbehalt - mit weiteren Bezirksstadträten zu dem Aspekt besprochen habe er sich nämlich noch nicht. "Im günstigsten Fall", so Liecke, "kommen die Leute gar nicht erst ins Sozialamt".

Beitrag von Anna Bordel

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