Meldungen seit März - Berliner Ärztekammer prüft 130 Fälle Corona leugnender Ärzte

Di 10.11.20 | 14:49 Uhr
Symbolbild: Patienten warten im Wartezimmer einer Arztpraxis in Baden-Württemberg. (Quelle: dpa/Sina Schuldt)
Audio: Radioeins | 10.11.2020 | Interview mit Günther Jonitz | Bild: dpa/Sina Schuldt

Praxen mit "Maske verboten"-Schildern oder Statements wie "Impfung ohne Sinn": Deutschlandweit häufen sich die Beschwerden über Ärzte, die in der Corona-Pandemie keine Gefahr sehen. Auch in Berlin sind mehrere Arztpraxen ein Fall für die Staatsanwaltschaft.

Nach Angaben der Ärztekammer sind in Berlin in 130 Fällen Mediziner mit fragwürdigen oder sogar falschen Behauptungen zum Thema Corona aufgefallen. Seit März dieses Jahres seien diese Fälle der Ärztekammer gegenüber bekannt gemacht worden, sagte deren Vorsitzender, Günther Jonitz, am Dienstag dem rbb. Das sei bei einer Zahl von mehr als 34.000 Ärzten in Berlin aber "ein verschwindend kleiner Teil", betonte er.

Jonitz nannte die Entwicklung dennoch "erschreckend wie furchtbar und beschämend gleichermaßen". Und er bitte auch darum, "dass jeder dieser Fälle an die Ärztekammer Berlin gemeldet wird, weil die Aussagen nicht stimmen und eine Praxis kein Ort dafür ist, Patienten mit Heilslehren oder mit Lügen zu indoktrinieren." So etwas wie Maskenverbote in Praxen seien "wissenschaftlich Blödsinn" und zudem nicht erlaubt, sagte Jonitz: Ein Arzt gefährde damit die Gesundheit nicht nur seiner Patienten - sondern auch seine eigene.

Auch dürften Ärzte keine politischen Botschaften aufhängen. Die Arztpraxis sei kein Platz für politische Agitation, so Jonitz. "Meinungsfreiheit ist das eine, Lügen verbreiten das andere."

Mehrere Fälle an Staatsanwaltschaft weitergeleitet

Jonitz rief dazu auf, solche Fälle der Ärztekammer zu melden. "Dann bekommt dieser Arzt entsprechend Post von uns, mit der Bitte um Stellungnahme. Das ist ein ganz normales, berufsrechtliches Verfahren. Und in den Fällen, wo der Arzt im Prinzip nur, sagen wir mal, seine Skepsis zum Ausdruck gebracht hat, dass er ein Problem damit hat, kriegt er eine freundliche Belehrung."

Man habe aber auch bereits mehrere Fälle an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. "Wir haben knapp 20 Ärzte, Arztpraxen an das Gesundheitsamt gemeldet, wegen Patientengefährdung", sagte Jonitz. Und rein berufsrechtlich würden Geldbußen bis zu 10.000 Euro drohen.

Das Interview führten Marco Seiffert und Tom Böttcher, Radioeins. Es handelt sich um eine gekürzte und redigierte Fassung. Das vollständige Gespräch können Sie hören, indem Sie auf den Abspielbutton oben klicken.

Sendung: Radioeins, 10.11.2020, 09:40 Uhr

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