Nach rbb-Bericht über Bauarbeiten - Mieter mitten in Corona-Pandemie fristlos gekündigt

Do 30.04.20 | 18:34 Uhr | Von Ute Barthel
"Wir lassen uns nicht Luxussanieren!!! Gerade Jetzt?" steht am 30.4.2020 auf einem Transparent, dass ein Mieter in der Calvinstraße 21 in Berlin-Moabit auf seinem Balkon angebracht hat. (Bild: rbb/Ute Barthel)
Bild: rbb/Ute Barthel

Just während der Ausgangsbeschränkungen starteten in der Calvinstraße 21 in Berlin-Moabit Baurarbeiten, mit Lärm und Dreck. Ein Mieter beschwerte sich im rbb über Situation - jetzt erhielt er die Kündigung. Von Ute Barthel

Den Brief mit der Kündigung erhielt Familie Czapara am frühen Abend durch einen Boten zugestellt. Unterschrieben war sie vom Anwalt des Vermieters, der in der Presseberichterstattung über die Situation im Haus eine "schwerwiegende Vertragsverletzung des mietvertraglichen Treueverhältnisses" sieht. Roman Czapara hatte sich in einem Interview mit dem rbb über die derzeitige Belastung durch die Bauarbeiten im Haus geäußert.

Auch die Äußerungen seines Rechtsanwalts Christoph Müller werden als Kündigungsgrund angeführt. "Wir sind fassungslos", schreibt Roman Czapara in einer Mail. "Die Justiz und die Behörden sind im Notstand, da sind wir sozusagen hilflos."

Baurarbeiten per einstweiliger Verfügung gestoppt

Auf Nachfrage von rbb24 Recherche beim Vermieter, der Terrial Stadtentwicklungs GmbH, heißt es: "Nur zur Klarstellung: Nicht Ihre Berichterstattung hat zur Kündigung geführt, sondern die Tatsache, dass die Mieter Sie offensichtlich vorsätzlich falsch informiert haben."

Aus Sicht vom Rechtsanwalt der Mieter Christoph Müller ist die Kündigung völlig haltlos. Der Anwalt versucht seit einer Woche, die Bauarbeiten per einstweiliger Verfügung unterbrechen zu lassen. Doch im Amtsgericht Mitte schoben die Richter sich gegenseitig die Verantwortung zu. "Kompetenzstreitigkeiten werden auf dem Rücken von schutzlosen Mietern ausgetragen", sagt Christoph Müller. Erst am Donnerstag konnte er die einstweilige Verfügung erreichen und die Bauarbeiten vorerst stoppen.

Vor der Kündigung hatten die Mieter vom Vermieter auch noch das Angebot erhalten, in eine temporäre Umsetzwohnung zu ziehen. Bis zum 5.Mai sollen sie sich entscheiden. Doch sie sind skeptisch, was dieses Angebot angeht: Denn sie vertrauen ihrem Vermieter nicht mehr.

 

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