Dürre im Park Sanssouci - "Im Großen und Ganzen ist es für die alten Bäume einfach schon zu spät"

Do 07.07.22 | 21:33 Uhr | Von Stefan Oberwalleney
Baum im Park Sanssouci
Video: rbb|24 | 07.07.2022 | Autor: Stefan Oberwalleney | Bild: rbb

Der Klimawandel hat massive Auswirkungen auf den Park Sanssouci. Von den 30.000 Bäumen im Park müssen jedes Jahr zwischen 100 und 150 Bäume gefällt werden. Teilweise sind diese älter als 200 Jahre. Von Stefan Oberwalleney

Über dem Park von Sanssouci verdunkelt sich der Himmel. Wolken ziehen vorüber. Regen aber fällt keiner, dabei wäre der gerade jetzt so wichtig. Mit seinem Elektro-Lastenrad ist Ralf Kreutz, Landschaftsarchitekt und Revierleiter von Sanssouci, in dem riesigen Potsdamer Park unterwegs.

"Hier", sagt er und zeigt auf eine Buche, "diesen Baum haben wir zurückgeschnitten, in der Hoffnung, dass sich der Baum wieder erholt und austreibt." Revitalisierungsschnitt werde so eine Maßnahme im Fachjargon genannt, in diesem Fall war es vergeblich. Wie so oft in letzter Zeit. Der Baum habe sich zurückgezogen, sagt Kreutz. "Er stagniert und hat immer weniger Kraft, neu auszutreiben. Es ist wie ein Sterben auf Raten, unaufhaltsam."

Ralf Kreutz (Quelle: rbb)
Ralf Kreutz ist Landschaftsarchitekt und Revierleiter im Park Sanssouci. Der Park wurde 1990 in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen. | Bild: rbb

70 bis 80 Prozent der Bäume weisen Trockenschäden auf

Auf den ersten Blick wirken die Bäume im Park von Sanssouci gesund. In sattem Grün stehen die teils 200 Jahre alten Baumriesen in Gruppen zusammen. "Wunderschön", sagen die Besucher:innen an diesem Vormittag.

Dass inzwischen 70 bis 80 Prozent der Bäume Trockenschäden aufweisen, davon bekämen die wenigsten Besucher:innen etwas mit, sagt Ralf Kreutz. Dabei sind die Schäden an den Bäumen allgegenwärtig. Hier ragt die lichte Krone einer mächtigen Eiche in den Himmel und dort steht eine Rotbuche - oder besser das, was von ihr übriggeblieben ist. Nur ein Stumpf, der stehen gelassen wurde, um wenigstens den Insekten und Vögeln noch von Nutzen zu sein.

Wurzelwerk liegt so tief, dass der Regen gar nicht mehr bis dahin vordringen kann

100 bis 150 sterbende Bäumen zählen Ralf Kreutz und seine Kollegen jedes Jahr. Im Sommer findet die Baumsichtung statt. Aber wenn dann im Herbst der eigentliche Schnitt erfolgen solle, sagt Kreutz, sei die Situation schon wieder viel schlimmer "und wir müssen deutlich mehr an Totholz herausschneiden als im Sommer noch gedacht."

Noch immer fällt kein Regen aus den Wolken über dem Park, aber es würde den alten Bäumen im fünften Jahr der Trockenheit auch kaum etwas nutzen. Ihr Wurzelwerk liegt so tief, dass der Regen gar nicht bis zu ihnen vordringt. "Gießen nutzt da gar nichts", erläutert der Revierleiter, denn die Bäume hätten ihr Wurzelwerk zu einer Zeit ausgebildet, als es tief in der Erde wesentlich feuchter war, aber die Zeiten sind vorbei.

Er kenne den Baumbestand in Sanssouci schon viele Jahre, sagt Ralf Kreutz und blickt in die lichte Krone einer Hainbuche. Das tue einfach weh, die alten Bäume so zu sehen. "Es ist für uns klar", erläutert der Fachmann, "dass sich der Altbaumbestand in den nächsten Jahren oder im nächsten Jahrzehnt verabschieden wird und wir den Park wieder komplett neu aufbauen müssen. Wir stehen an einem Wendepunkt", sagt er, "unsere Generation muss den Parkumbau vorantreiben."

Setzlingen aus Park geht es besser als Pflanzen aus der Baumschule

Dann fährt der Revierleiter zu einer etwas abgelegenen Fläche mit kleinen Bäumchen. Die Erde ist hier mit Stroh bedeckt, um vor der Sonne geschützt zu werden. Zwischen den Bäumchen treffen wir auf Katharina Matheja, sie ist Wissenschaftlerin und untersucht, mit welchen Anpassungsstrategien Sanssouci Gehölze dem Klimawandel entgegentreten können.

"Wir haben insgesamt acht solcher Entwicklungsfelder im Park Sanssouci und im Park Babelsberg", erklärt Katharina Matheja. "Auf diesen Entwicklungsfeldern haben wir verschiedene Gehölze gepflanzt, eigene Setzlinge, aber auch Pflanzen aus der Baumschule, die wir unterschiedlich pflegen. Manche Pflanzen bekommen mehr Wasser, andere weniger."

Noch läuft das Forschungsprojekt, bei dem viele verschiedene Institutionen vernetzt sind, und noch ist es zu früh, um endgültige Schlüsse ziehen zu können. Aber jetzt schon zeichnet sich ab, dass die Gehölze, die im Park als natürliche Setzlinge aus der Erde kommen, einfach besser angepasst sind und sich besser entwickeln, als die Pflanzen aus der Baumschule.

Das deckt sich mit den Erfahrungen von Revierleiter Kreutz. Früher seien im Park vor allem größere Bäume aus der Baumschule angepflanzt worden, sogenannte Baumschulware, aber das funktioniere einfach nicht. "Diese Bäume wachsen hier nicht an", sagt Ralf Kreutz.

Viel besser funktioniere es mit Jungbäumchen, die im Park auf natürliche Weise als Baumnachwuchs entstanden seien. Sie seien von Anfang an, an die Trockenheit gewöhnt und könnten damit umgehen, wenn es kaum regnet und höchstes einmal ein Platzregen im Sommer niedergeht.

Unter einer alten Baumgruppe zeigt der Revierleiter auf den Boden. Dort sind überall kleine Eichen gewachsen. Sie sind satt, grün und gesund. "Früher haben wir solche Bäumchen auf den Wiesen einfach abgemäht, das machen wir jetzt nicht mehr. Wir lassen sie stehen, wir lassen sie wachsen und wir entwickeln daraus irgendwann neue Baumgruppen", sagt Kreutz. Was unter dieser Eichen- und Rotbuchengruppe wachse, sei die Zukunft.

Beitrag von Stefan Oberwalleney

Nächster Artikel