ÖPNV in Berlin und Brandenburg - Keine übervollen Züge zum Neun-Euro-Ticket-Start

Mi 01.06.22 | 23:22 Uhr
Zahlreiche Fahrgäste warten auf einem Bahnsteig am Bahnhof Zoologischer Garten auf eine einfahrende S-Bahn der Linie S3. (Quelle: dpa/M. Skolimowska)
Video: rbb24 Brandenburg Aktuell | 01.06.2022 | Sebastian Schiller, Theresa Majerowitsch | Bild: dpa/M. Skolimowska

Von diesem Mittwoch an können Fahrgäste das Neun-Euro-Ticket nutzen. Deutlich mehr Fahrgäste werden erwartet. In Berlin und Brandenburg scheint das große Chaos bisher ausgeblieben zu sein. Das könnte sich am Wochenende ändern.

Zum Start des Neun-Euro-Tickets hat es in Berlin zunächst keine überfüllte Züge oder meterlange Schlangen vor Ticketautomaten gegeben. Nach rbb-Informationen war es zwar vielerorts etwas voller als sonst, aber nicht chaotisch.

Am Hauptbahnhof war die Lage laut rbb-Reporter am Mittwochmorgen ruhig, obwohl viele Menschen unterwegs waren. Auch am Alexanderplatz und am Bahnhof Zoologischer Garten war Normalbetrieb wie an anderen Tagen zu beobachten.

Keine überfüllte Regionalzüge

Die Züge waren den Beobachtungen zufolge nicht ungewöhnlich ausgelastet. Der RE2 Cottbus-Berlin war am Mittwochmorgen beispielweise nicht voller als sonst, wie ein rbb-Reporter berichtete. Laut Zugbegleiterin hatten um die 75 Prozent der Fahrgäste das Neun-Euro-Ticket.

Auf der Regionalbahnlinie 36 nutzen nach rbb-Informationen deutlich mehr Fahrgäste den Zug. Das bestätigte eine Schaffnerin auf der Strecke zwischen Königs Wusterhausen und Frankfurt (Oder). Probleme einen Sitzplatz zu bekommen, hab es aber nicht gegeben; auch die Mitnahme von Fahrrädern sei ohne Weiteres möglich gewesen.

Den ruhigen Start bestätigte auch Achim Strauß, Sprecher der Deutschen Bahn dem rbb. Im Nahverkehr habe es bislang keine übervollen Züge gegeben. Es bleibe aber spannend. Die Bahn werde alles dafür tun, dass das Neun-Euro-Ticket ein Erfolg werde, betonte Stauss.

Der Berliner Fahrgastverband IGEB hat zum Start des Neun-Euro-Tickets ebenfalls eine positive Bilanz gezogen. Bisher habe es keine Probleme gegeben, sagte IGEB-Vorstand Wieseke am Mittwochabend in der rbb24 Abendschau. Er forderte die Politik auf, aus dem Erfolg des Flatrate-Modells zu lerrnen und die Tarife insgesamt einfacher zu machen.

Mehr als eine halbe Millionen Tickets verkauft

Im Juni, Juli und August können Fahrgäste mit dem Neun-Euro-Ticket durch ganz Deutschland fahren. Prinzipiell gilt das Ticket bundesweit in allen Bussen, Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen und Zügen des Nah- und Regionalverkehrs. Die Deutsche Bahn gab am Montag bekannt, bislang rund 2,7 Millionen der Tickets verkauft zu haben.

In Berlin und Brandenburg sind laut Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) bis einschließlich Dienstag rund 635.000 der Neun-Euro-Tickets verkauft worden, allein 500.000 für den Monat Juni. Im März und April 2022 hatten laut BVG jeweils rund 75.000 Menschen Monatstickets und weitere rund 100.000 das Berlin Tickets S (ebenfalls für einen Monat gültig) gekauft.

Zusätzliche Züge und mehr Personal

Viele Verkehrsunternehmen haben für die drei Monate Verstärkerzüge angekündigt. Die Deutsche Bahn etwa will 50 zusätzliche Züge einsetzen und das Personal verstärken. Auch in Brandenburg werden nach Angaben des Infrastrukturministeriums auf besonders nachgefragten Strecken mehr Züge eingesetzt. Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) betonte, es sei wichtig zu zeigen, dass der öffentliche Personennahverkehr eine Alternative zum Individualverkehr sei.

Im Regionalverkehr werden unter anderem die Züge nach Prenzlau und Neustrelitz an die Ostsee (RE3 und RE5) verlängert. Zusätzlich fahren an Wochenenden Züge von Berlin nach Greifswald und Stralsund. Ab Mitte Juni sind zusätzliche Züge an Wochenenden und Feiertagen unterwegs zwischen Angermünde und Stralsund.

Stresstest am Pfingstwochenende

Mit einem ersten Stresstest für den ÖPNV rechnen sie bereits für das kommende lange Pfingstwochenende, wenn vor allem Tagestouristen das Wetter für Ausflüge nutzen wollen. Dort könne es dann auch zu Platzproblemen kommen.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) bittet die Reisenden in diesem Fall um Solidarität mit den Beschäftigten. Das Neun-Euro-Ticket sei sehr kurzfristig eingeführt worden, das könne zu Problemen führe, sagte der stellvertretende Vorsitzende Martin Burkert.

Sendung: rbb24 Inforadio, 01.06.2022, 10:07 Uhr

Nächster Artikel