#musikistkeinhobby | Singer-Songwriterin Daada - "Ich habe mit der Deko-Gitarre meiner Oma angefangen zu spielen"

So 16.10.22 | 12:04 Uhr | Von Hendrik Schröder & Christoph Schrag
Daada.(Quelle:privat)
Audio: Singer-Songwriterin Daada im Gespräch mit Hendrik Schröder und Christoph Schrag | Bild: privat

Daada wächst in Tansania als Kind eines Deutschen und einer Kolumbianerin auf. Mit der Gitarre der Oma schreibt sie erste Songs. Als Teenager landet sie in einem Internat bei Berlin - und beschließt zu bleiben. Von Hendrik Schröder und Christoph Schrag

In der neuen rbb|24-Reihe #musikistkeinhobby treffen Hendrik Schröder und Christoph Schrag jede Woche Musiker:innen aus der Region, die gerade auf dem Sprung nach oben sind - und ihre ganz besondere Message und Geschichte erzählen.

Mein bürgerlicher Name ist Meike. Als Künstlerin nenne ich mich Daada. Daada bedeutet auf Suaheli Schwester. Mein Bruder hat mich immer so genannt. Die Bedeutung hat mir gefallen. Schwester hat irgendwas von dieser Girl-Power Idee. Gleichzeitig steht Daada für mich aber auch für Multikulturalität.

Ich komme halb aus Deutschland und halb aus Kolumbien. Aufgewachsen bin ich in Tansania. Deshalb ist meine Musik eine Melange aus diesen Kulturen und Sprachen. Durch meine Mutter bin ich mit kolumbianischer Musik aufgewachsen, Salsa und sowas. Aus Tansania habe ich das Genre Bongo Flava mitgenommen. Das ist eine Mischung aus Afrobeat und lokalen Rhythmen. Meistens sind die Texte auf Englisch, Suaheli und Spanisch, ganz selten auch auf Deutsch.

Daada.(Quelle:privat)

Schon als kleines Kind Lieder geschrieben

Zu meiner eigenen Musik gekommen bin ich gewissermaßen über meine Oma. Mit fünf Jahren habe ich erst angefangen Geige zu spielen, ganz klassisch. Ich habe mir dann aber ziemlich schnell selbst Melodien ausgedacht und dazu gesungen. Mit sieben Jahren hatte ich schon meinen ersten Song geschrieben.

An der Wand im Wohnzimmer hing bei uns immer die alte Gitarre meiner Oma. Das war nur zur Dekoration. Irgendwann habe ich sie von der Wand genommen und angefangen zu spielen und dann weitergemacht, Songs auf der Gitarre zu spielen.

Kindheit auf der Kaffeefarm

Ich glaube, ich hatte eine sehr besondere Kindheit. Ich bin zusammen mit meinem Bruder auf einer alten Kaffeefarm aufgewachsen, in einem Haus, das meine Mutter gebaut hat. Mein Vater ist Kaffeebauer und es hat immer nach geröstetem Kaffee bei uns gerochen. Wir hatten nachts Leoparden im Garten. Den ganzen Tag bin ich barfuß gerannt, wir hatten Hunde. Es war eine sehr freie Kindheit. Am Esstisch haben wir Deutsch, Spanisch und Englisch gesprochen, das ging immer total durcheinander. Ich habe auch oft beim Pflücken geholfen und wusste als Kind schon, wie man Kaffee produziert.

Als ich elf war, meinten meine Eltern, dass sie meinen Bruder und mich langsam etwas mehr in Richtung deutsche Kultur schicken. Die kannten wir ja bis dato nur über meinen Vater. Ich bin dann auf ein Internat gekommen worden, erst in Österreich und später in Berlin beziehungsweise Kleinmachnow.

Schwere Zeiten im Internat

Das war erstmal ganz schön hart, so alleine im Internat. Aber ich bin heute dankbar, dass ich derart jung nochmal so eine neue Welt entdecken durfte. Ich war in der Schule sehr brav und fokussiert. Ich wollte immer gute Noten haben. Dieses ganze Drama mit Jungs und so, das hat mich zwar fasziniert, aber ich hatte da erst später mit zu tun.

Ich hab mir dann eher die Gitarre genommen und mich total zurückgezogen in mein eigenes Reich. Das lag auch daran, dass mein großer Bruder immer dabei war und das hat die Typen ganz schön abgeschreckt. Viele Erfahrungen habe ich dadurch erst später gemacht als andere.

Für meine Eltern war das glaube ich ganz schön schwer, mich so früh gehen zu lassen. Diese Zeit hat mich aber sehr selbständig gemacht und mir gezeigt, wie wichtig es ist, verschiedene Perspektiven zu haben. In den Texten meiner neuen EP geht es mehr oder weniger darum, wie man aufwächst.

Familie, Liebe, Heimat

In meinen Liedern geht es eigentlich immer um intime Gefühle, kleine Einblicke in meinen Kopf, in mein Herz und meine Gefühlswelt. Es geht auch um die Liebe - die junge, unschuldige Liebe, die seelige Seite der Liebe. Es geht aber auch um Liebe als Toleranz und als Verständnis für andere Menschen. Ich verarbeite da verschiedene Momente meiner Jugend, die mich am Ende zu dem gemacht haben, was ich heute bin.

Mein Bruder und meine Familie sind schon wichtig für mich. Meinen Song "Amani" habe ich damals noch im Internat geschrieben. Darin geht es um die Sehnsucht nach meiner Familie und nach Tansania - einfach um alles, wonach ich mich, Tausende Kilometer entfernt, gesehnt hatte. Den Song habe ich dann später in Tansania aufgenommen, mit afrikanischen Drums. Im Video dazu habe ich viele alte Fotos und Aufnahmen verwendet, auf denen auch meine Familie zu sehen ist.

Zwischen Start-Up und Studio

Mir wurde in Berlin aber ziemlich schnell klar, dass ich von der Musik so schnell nicht werde leben können. Obwohl das mein Wunsch wäre. Deswegen habe ich noch einen Job, der so gar nichts mit Musik zu tun hat. Ich arbeite bei einem Unternehmen in einem jungen Team, das mit Start Ups zusammenarbeitet, die nachhaltige Produkte herstellen. Das Team da ist total verständnisvoll, was meine Musik angeht. Ich bin da jetzt auch in Teilzeit gegangen, um mich mehr auf die Musik zu konzentrieren.

Das ist schön, weil die letzten Jahre so aussahen, dass ich von 9-17 Uhr ins Büro gegangen bin und danach sofort ins Studio oder in den Proberaum oder zu Sessions musste. Das war wirklich eine intensive Zeit. Ich hoffe, dass ich jetzt noch mehr Zeit mit der Musik verbringen kann.

Beitrag von Hendrik Schröder & Christoph Schrag

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