#musikistkeinhobby | Popmusikerin Sable - Das war eine Reise von der Eliteuni in den Berliner Underground

Sa 03.09.22 | 14:05 Uhr | Von Hendrik Schröder und Christoph Schrag
Sable.(Quelle:Johnny Nghiem)
Bild: Johnny Nghiem

Die Indiepop-Musikerin Sable hat einen Oxford-Abschluss in Geschichte und englischer Literatur. Aber statt damit Karriere zu machen, zieht sie nach Berlin und stürzt sich in die Musikszene. Ein Gesprächsprotokoll von Hendrik Schröder und Christoph Schrag

In der neuen rbb|24-Reihe #musikistkeinhobby treffen Hendrik Schröder und Christoph Schrag jede Woche Musiker:innen aus der Region, die gerade auf dem Sprung nach oben sind - und ihre ganz besondere Message und Geschichte erzählen.

Ich bin vor drei Jahren nach Berlin gekommen. Aufgewachsen bin ich in Manchester. Aber ich musste einfach hierher. Seit ich zu meinem 15. Geburtstag das Buch "Goodbye to Berlin" von Christopher Isherwood geschenkt bekommen habe, bin ich besessen von der Geschichte Berlins. Dann habe ich gelesen, dass Nick Cave in Berlin gelebt hat, und ich liebe Nick Cave, deswegen musste ich einfach nach Berlin. Ich habe dann hier auch erst meinen Künstlernamen Sable angenommen und angefangen, mich fast voll auf meine Musik zu konzentrieren.

Es war natürlich ein Privileg in Oxford zu studieren. Ich habe so viel gelernt. Ich durfte lesen, denken und herausfinden, was ich glaube und was meine Position ist. Und danach durfte ich raus in die Welt mit all diesem Wissen. Außerdem ist die Stadt so schön und man hat einen sehr engen Kontakt zu den Professor:innen. Ich habe jetzt zwar ziemlich viele Schulden wegen des Studienkredites, aber das war es wert. Trotzdem hatte ich eigentlich nie vor, mit meinem Oxford-Abschluss Karriere zu machen. Ich habe das einfach für mich gemacht, für das Wissen. Denn eines war immer klar: Musik ist die wichtigste Sache der Welt für mich.

Der erste Berliner Winter. Alleine.

Ich spiele Indiepop-Musik mit vielen Synthesizern und Samples und kreiere so meine ganze eigene Sound-Welt - und dann singe ich meine Texte darauf. Meine erste EP war eine richtige Berliner-Winter-Platte. Es war mein erster Winter in Berlin. Ich war alleine und die Musik ist ziemlich düster geworden. Aber meine neue EP, die bald rauskommt, ist viel leichter und fröhlicher.

Doch unabhängig vom jeweiligen Sound sind meine Texte immer sehr politisch. Das ist mir wichtig, denn ich glaube, dass auch alles Private politisch ist. Dass alles, was wir tun, welche Entscheidungen wir treffen, wie wir handeln, dass das immer alles auch politisch ist. Was du isst, was du kaufst, was du liest, was du hörst: All das ist immer auch Teil eines ökonomischen Systems.

Ohne Nebenjob geht es nicht

Deswegen geht es in meinen Texten oft darum, wie man mit der Welt umgeht und sich im Leben verhält. Leider bestimmt das Geld total vieles auf der Welt und deswegen ist es wichtig, sein Geld für Dinge auszugeben, die man gerne unterstützen möchte. Dann hilfst du mit, eine Welt zu gestalten, in der du wirklich leben willst. Und auch bei der Musik kommt man aus der Dynamik nicht heraus. Ehrlich gesagt, kostet mich Musik machen ganz schön viel Geld.

Man muss einiges investieren für die Produktion, für Videos, für Tontechniker:innen und andere Musiker. Aber mir ist es enorm wichtig, alle anständig zu bezahlen, die mit mir arbeiten. Deswegen habe ich auch neben der Musik noch einen ganz gut bezahlten Job in einem Tech-Unternehmen. In England gibt es diese verrückte Praktikumskultur, in der man ständig unbezahlte Praktika machen muss, um irgendwo reinzukommen. Ich fand das immer schon so ungerecht. Weil es bedeutet, dass ärmere Leute das gar nicht machen können, weil die eben Geld verdienen müssen.

Meine Herkunft war nie ein Hindernis

In Berlin arbeiten auch viele Künstler:innen und Musiker:innen am Anfang für umsonst. Das finde ich nicht gut. Deswegen bezahle ich die Leute mit dem Geld, das ich mit meinem Job verdiene. Von dem, was die Musik abwirft, könnte ich das nicht. Ich arbeite auch viel gezielt mit Frauen zusammen, mit weiblichen Tontechnikerinnen, weil die in der ganzen Szene noch total unterrepräsentiert sind. Ich bin privilegiert aufgewachsen. Meine Ethnie oder meine Herkunft waren nie ein Hindernis für mich. Das ist bei anderen anders. Und ich sehe das ein bisschen als meine Aufgabe, die Leute zu unterstützen und so auch ein bisschen mehr Diversität in die Musikindustrie zu bringen.

Beitrag von Hendrik Schröder und Christoph Schrag

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