"Sound of Peace" - Friedenskonzert am Brandenburger Tor zieht 15.000 Menschen an

Mo 21.03.22 | 06:42 Uhr
"Sound of Peace" am Brandenburger Tor
Video: rbb|24 | 20.03.2022 | Material: rbb | Bild: dpa/Christophe Gateau

Zahlreiche prominente Künstlerinnen und Künstler haben mit einem Konzert in Berlin gegen den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine demonstriert. Der ukrainische Präsident Selenskyj wandte sich im rbb-Fernsehen in einer Videobotschaft an die Deutschen.

Mit einer großen Solidaritätskundgebung haben Kulturschaffende am Sonntag in Berlin vor Tausenden Menschen ihre Unterstützung für die von Russland angegriffene Ukraine demonstriert. Auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor gab es von mittags bis in den späten Abend rund 50 Auftritte.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wandte sich in einer im rbb-Fernsehen gezeigten Videobotschaft an die Demonstrierenden vor dem Brandenburger Tor. Zu Beginn spielte er von seinem Handy eine Luftalarm-Sirene ein. "Mit diesem Ton leben wir schon seit 25 Tagen", sagte er. Der Ton sei Alltag in den ukrainischen Städten geworden. "Wir hören ihn stundenlang, tagelang und wochenlang."

Ukrainische Hauptstadt Kiev war das "neue Berlin"

Bis zu diesem Krieg sei die ukrainische Hauptstadt Kiev "neues Berlin" genannt worden, sagte Selenskyj. Man habe die Offenheit, die Freiheit auf den Plätzen, die Clubs und das Nightlife von Berlin und Kiev verglichen. "Jetzt können wir nicht uns so versammeln, wie Ihr das heute getan habt. Wir können nicht so leben, wie Ihr lebt". Die Ukrainer kämpften gegen Raketen, Bomben, Artillerie, gegen Flugzeuge und Helikopter, auf die die Russen bereits 'nach Berlin' schrieben. "Denn sie wollen weiterkommen, viel weiter als die Ukraine. Sie wollen überall weitergehen, sie wollen zu Euch kommen", sagte Selenskyj.

Selenskyj verwies darauf, dass das Konzert am Brandenburger Tor auf der Straße des 17. Juni stattfand, die an den Aufstand in der DDR am 17. Juni 1953 erinnert. "Euch hat das geführt, was uns ermutigt, uns zu verteidigen – der Wunsch zum Leben, das Leben in Frieden, Gleichheit, Freiheit."

Der ukrainische Präsident forderte die Menschen auf, sich dafür einzusetzen, dass "die Ukraine endlich ein Teil der Europäischen Union wird." Zugleich forderte er erneut den Stopp der Handelsbeziehungen mit Russland. "Ohne den Handel mit Euch, ohne Eure Unternehmen und Banken wird Russland keine Geld mehr für diesen Krieg haben", sagte er. "Unterstützt bitte die Kriegsmaschine Russland nicht. Keinen einzigen Euro für Besatzer, sperrt für sie all eure Häfen, liefert keine Güter, verzichtet auf russische Energieressourcen, übt Druck aus, damit Russland die Ukraine verlässt. Die Deutschen müssten handeln, bat Selenskyj damit Frieden erreicht werde, "damit Kiev wieder neues Berlin genannt" werden und "die Sirenen vergessen werden könnten".

Rund 12 Millionen Euro gespendet

Die Friedensaktion "Sound of Peace" sollte nach dem Willen der Veranstalter "Europas größte musikalische Kundgebung" gegen den Krieg werden. Angemeldet waren 20.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Polizei, nach eigenen Angaben mit rund 900 Kräften im Einsatz, schätzte die Menge auf mehr als 15.000 Menschen.

Viele kamen mit Plakaten, auf denen sofortiger Frieden gefordert wurde. Häufig zu sehen waren Blau und Gelb, die Farben der Ukraine. Ziel von "Sound of Peace" sollte es sein, viele Spenden zu sammeln, um die Opfer des Krieges in der Ukraine zu unterstützen. Bis zum Ende der Veranstaltung gegen 23 Uhr kamen dabei nach Angaben der Veranstalter rund 12 Millionen Euro zusammen.

"Es ist wichtig zu sehen, dass die ganze Welt für die Ukraine steht"

Natalia Klitschko, Frau des Bürgermeisters von Kiew und Ex-Profiboxers Vitali Klitschko, hat sich auf der Bühne für die internationale Unterstützung bedankt. "Was meinem Land jetzt passiert ist furchtbar", sagte sie. "Es ist wichtig, die Massen zu sehen, die hier zusammenkommen. Es ist wichtig zu sehen, dass die ganze Welt für die Ukraine steht", so Natalia Klitschko.

Es gehe darum, den Krieg in ihrem Land so schnell wie möglich zu beenden. "Mit Zusammenhalt, wenn wir alle aufstehen, werden wir das erreichen." Die Ukraine kämpfe derzeit für alle Menschen, "für Frieden in der ganzen Welt", sagte Klitschko. "Nur zusammen schaffen wir Frieden", sagte sie mit Dank an die Tausenden Menschen auf der Straße des 17. Juni. Anschließend kündigte Klitschko ein "neues Lied für mein Land" an und sang den Song "Better Days".

Natalia Klitschko, Ehefrau des Kiewer Bürgermeisters V. Klitschko, steht bei der Solidaritätskundgebung "Sound of Peace" vor dem Brandenburger Tor auf der Bühne (Quelle: DPA/Jörg Carstensen)Natalia Klitschko auf der Bühne am Brandenburger Tor | Quelle: dpa/Jörg Carstensen

Auf der Liste der Auftritte standen weiter unter anderen David Garrett, Marius Müller-Westernhagen, Clueso, Michael Patrick Kelly, Fury in the Slaughterhouse, In Extremo, Mia, Mine, Peter Maffay, Revolverheld, Sarah Connor, Silbermond The BossHoss und Zoe Wees.

Auch in Hamburg und Frankfurt am Main fanden am Samstag große Protestaktionen mit Tausenden Teilnehmern statt. Bei einem großen Benefizkonzert in der österreichischen Hauptstadt Wien spielten am Samstag vor mehr als 40.000 Zuschauern im Ernst-Happel-Stadion Dutzende Musiker gratis, darunter Bilderbuch und Wanda.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) hatte die Friedenskundgebung als klares und lautes Zeichen gegen den Krieg bezeichnet. Sie sagte am Sonntag dem rbb, Musik sei der radikalste Widerspruch gegen den Krieg. Sie verbinde und gebe Kraft und Hoffnung. Roth sagte Radioeins, damit werde gegen die Gewalt des Putin-Regimes protestiert, das ein Land überfalle und dabei auch gezielt die Kultur angreife.

Roth sprach sich zugleich gegen einen Kulturboykott aus. Es gebe auch in Russland Menschen, die sich gegen die Politik der Regierung wendeten. Sie verwies auf ein Aufnahmeprogramm für Künstler und Journalisten, um sie vor dem Krieg in Sicherheit zu bringen. Dafür stünden zunächst eine Million Euro zur Verfügung.

Das rbb-Fernsehen übertrug die Veranstaltung "Sound of Peace" ab 20.15 Uhr live, rbb 88.8 ab 17 Uhr.

Spenden für die Ukraine

  • Spendenaufruf des Veranstalters

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Sendung: rbb 88.8, 20.03.2022, 17 Uhr

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